Wichtige Bio-Siegel im Vergleich

Wichtige Bio-Siegel im Vergleich

(Stand Mai 2020) Wir von hypo-A legen seit jeher großen Wert auf höchste Reinheit, Nachhaltigkeit und gesunde Ernährung. Gesunde Ernährung heißt für uns: 100 % Bio – am besten regional und saisonal. Wer sich etwas näher damit beschäftigt, weiß: Bio ist nicht gleich Bio. Zum Glück gibt es Bio-Siegel, die eine schnelle Orientierung ermöglichen. Bei unseren Produkten erkennen Sie Rohstoffe aus kontrolliert biologischem Anbau an dem Hinweis "kbA-Qualität" in unseren Produktbeschreibungen.

Begriffs-Dschungel: Bio, Öko & Co.

Die Begriffe Bio oder Öko sind gesetzlich geschützt. Sie dürfen nur für Lebensmittel verwendet werden, die die Vorgaben der EG-Öko-Verordnung erfüllen und das EU-Bio-Siegel tragen. Gleiches gilt für die Formulierungen

  • kontrolliert biologisch / ökologisch
  • biologischer / ökologischer Anbau.

Nicht geschützt sind dagegen Angaben wie „naturnah“, „integrierter Pflanzenbau/Landwirtschaft“, „ungespritzt“, „unbehandelt“, „alternative Haltung“, „umweltschonende Landwirtschaft“, „kontrollierter Anbau“ oder „frei von nicht deklarationspflichtigen Zusatzstoffen“, was in der Regel nur bedeutet, dass das Produkt mehr oder minder gesunde Zusatz-Chemikalien enthält, diese aber aus juristischen Gründen nicht benennen muss.

Bei Eiern verrät der Blick auf die erste Ziffer, aus welcher Haltungsform sie stammen. Bio-Eier tragen die Ziffer Null für ökologische Haltung und Biofutter. Dahinter folgt die Länderkennung – im Fall von Deutschland „DE“.

20 gute Gründe für Bio

Vieles spricht für den Einkauf von Bio-Produkten, denn biologische Landwirtschaft

  1. trägt zum Erhalt der Artenvielfalt bei
  2. schützt (Grund-)Wasser, Luft und Boden (z.B. durch mehr Humus)
  3. fördert das Gleichgewicht zwischen Boden, Tieren und Pflanzen
  4. produziert deutlich weniger ökologische Folgekosten, die die Allgemeinheit zu tragen hat
  5. setzt keine Gentechnik ein
  6. kommt ohne Kunstdünger aus
  7. verbraucht weniger Energie und trägt damit zum Klimaschutz bei
  8. bietet Tieren eine am Tierwohl orientierte natürliche Haltung mit mehr Platz und Auslaufeine am Tierwohl orientierte natürliche Haltung mit mehr Platz und Auslauf
  9. verzichtet im Normalfall auf viele schmerzhafte Eingriffe bei Tieren wie das Abschleifen der Zähne oder Kupieren von Schwänzen
  10. setzt vermehr auf Kreislaufwirtschaft
  11. schafft mehr Arbeitsplätze, da personalintensiver gearbeitet wird
  12. schützt in der Landwirtschaft Beschäftigte vor giftigen Pestiziden und Herbiziden wie Glyphosat etc.
  13. hat durch die biologische Düngung z.B. mit Kompost in der Regel weniger Nitrat in Salat und Gemüse
  14. mehr sekundäre Pflanzenstoffe (z.B. zur Abwehr von Schädlingen) – z.B. Antioxidantien wie Vitamin C – in Obst und Gemüse, 
  15. sorgt v.a. durch Grünfutter für mehr wertvolle Omega-3-Fettsäuren und konjugierte Linolsäure in Milchprodukten 
  16. weniger Wasser in Obst und Gemüse
  17. häufig intensiverer Geschmack bei Obst und Gemüse
  18. spart Antibiotika – zum Beispiel ist Bio-Geflügelfleisch weniger mit bedenklichen Keimen und Antibiotika-Resistenzen belastet
  19. verzichtet auf synthetische Pflanzenschutzmittel – entsprechend sind Bio-Lebensmittel deutlich weniger mit Pestizidrückständen belastet
  20. verzichtet auf viele belastende Zusatzstoffe – in der konventionellen Nahrungsmittelproduktion sind über 6-mal so viele Zusatzstoffe erlaubt

Zusatzstoffe

Farbstoffe in Süßigkeiten
Softdrinks mit Phosphaten
Farbstoffe E 102, E 122,...

Bezüglich der Zusatzstoffe sollten Sie wissen: Auch wenn jeder für sich genommen geprüft und in gewisser Menge offiziell als ungefährlich eingestuft wurden, können durch unkontrollierte Kombinationen durchaus kritische Mengen überschritten werden. So können Kinder, die viele Süßigkeiten und aromatisierte Getränke zu sich nehmen, zu viele Farbstoffe aufnehmen. Auch bei Phosphaten aus Softdrinks werden die als unkritisch eingestuften Mengen mitunter überschritten. Für einige Zusatzstoffe wird inzwischen diskutiert, dass sie die für unsere Gesundheit so wichtige Darmflora negativ beeinflussen könnten. Hinzu kommt, dass der Chemikalienmix, den wir mit konventionellen Nahrungsmitteln zu uns nehmen, nie auf seine Gesamtwirkung untersucht wurde. Wer sicher gehen möchte, sollte Zusatzstoffe also grundsätzlich so gut wie möglich meiden.

In Bio-Lebensmitteln dürfen viele problematische Zusatzstoffe wie Azofarbstoffe, Phosphate und die meisten Süßstoffe gar nicht erst verwendet werden. Zur Aromatisierung dürfen nur natürliche Aromen sowie Aromaextrakte wie ätherische Öle genutzt werden.

Zwar erlaubt das EU-Bio-Siegel um die 50 Zusatzstoffe wie Schwefeldioxid, Natriumnitrit, Kaliumnitrat, Talkum, Erythrit und Carnaubawachs. Bei den anspruchsvolleren Bioverbänden Naturland, Bioland und sind jedoch deutlich weniger Zusatzstoffe zugelassen.

Tierwohl

Auch das Tierwohl profitiert bei den Bioverbänden, indem z.B. weniger Tiere pro Fläche gehalten werden dürfen. Zudem dürfen Bio-Bauern nur so viele Tiere halten, wie sie mit ihrer Fläche ernähren können (sog. Flächenbindung). Die Verbände Naturland, Bioland, Biokreis und Gäa Vereinigung ökologischer Landbau e.V. führen im Rahmen eines Gemeinschaftsprojekte zusätzlich eine jährliche Tierwohlkontrolle bei denen ihnen angeschlossenen Betrieben durch.

Auch wenn immer Mal wieder das Gegenteil behauptet wird:

Das EU-Bio-Siegel

Zu erkennen ist das EU-Bio-Siegel an den weißen Sternen auf grünem Grund, die in Form eines Blattes angeordnet sind. Mit seiner Einführung hat es im Juli 2010 das sechseckige deutsche Bio-Siegel abgelöst, welches nach wie vor parallel verwendet werden darf.

Ergänzt wird das EU-Bio-Siegel durch die Angabe der Code-Nr. für die Öko-Kontrollstelle und die Herkunftsangabe (z.B. EU-Landwirtschaft).

Das EU-Bio-Siegel garantiert ein Mindestmaß an Kriterien für den biologischen Anbau. Dazu gehören:

  • Verzicht auf ionisierende Strahlung zur Konservierung
  • Verzicht auf gentechnisch veränderte Organismen bei der Herstellung
  • Verzicht auf synthetische Pflanzenschutzmittel 
  • Verzicht auf leicht lösliche mineralische Kunstdünger
  • Verzicht auf Stabilisatoren, künstliche Farbstoffe und Phosphate 
  • Positivliste für einige weitere Lebensmittel-Zusatzstoffe wie Emulgatoren
  • ökologisches Tierfutter ohne Zusatz von Antibiotika und Leistungsförderer

Vielen geht das nicht weit genug. Wer mehr will, wird bei den Anbauverbänden fündig.

Siegel ausgewählter Anbauverbände

Die wichtigsten Anbauverbände gehen in ihren Vorgaben zu Anbau und Verarbeitung weit über die EU-Bio-Vorgaben hinaus. Bei Naturland, Bioland und Demeter z.B. muss stets der gesamte Hof auf Bio umgestellt werden. Es gelten strengere Vorgaben zur artgerechten Tierhaltung und zum Tierfutter. Zudem sind wesentlich weniger Zusatzstoffe erlaubt. Auch wenn die Richtlinien einen konventionellen Anteil bis zu 5 % erlauben, sind die drei Verbände ständig darum bemüht, den konventionellen Anteil so klein wie möglich zu halten. In der Realtität liegt der Bio-Anteil bei Naturland, Bioland und Demeter also deutlich höher. Bei Naturland (Stand Mai 2020) z.B. bei über 99 %.

  Konventionell EU-Bio-Siegel Naturland Bioland Demeter
Verbreitung weltweit international international nur Deutschland international
Betrieb muss komplett ökologisch bewirtschaftet sein + + +
Mindest-Bio-Anteil am Produkt 0 % 95 % 95 % 95 % 95 %
Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel + + + +
mind. 1x jährliche Kontrolle gemäß EG-Öko-Verordnung - + + + +
Gesamter Stickstoffeintrag pro Hektar und Jahr   170 112 112 112
Verzicht auf lösliche mineralische Dünger + + + +
Erlaubte Zusatzstoffe über 300 ca. 50 ca. 20 ca. 20 ca. 20
Verbot von Nitritpökelsalz Natriumnitrit (E 250), Natriumnitrat (E 251), Kaliumnitrat Natriumnitrit (E 250), Kaliumnitrat nur in nicht erhitzten Produkten erlaubt + +
Verbot von Gentechnik bis zu 0,9 % zufällige oder technisch unvermeidare GVO + + +
Besonderheiten     obligatorische Sozialrichtlinien; Zusatzzertifizierung Naturland Fair; Bio-Aquakultur/Wildfisch legt Wert auf Regionalität; Bio-Aquakultur obligatorische Tierhaltung

Tierhaltung und -fütterung bei Bio-Siegeln im Vergleich

  EU-Bio-Siegel Naturland Bioland Demeter
Biofutter 95 % 100 % bei Rindern; bei Geflügel/Schwein bis zu 5 % ausgewähltes, konventionelles Eiweißfutter bei Geflügel/Schwein bis zu 5 % ausgewähltes, konventionelles Eiweißfutter (bei Schweinen nur bis 2020) 100 %
Verbot präventiver Gabe von Antibiotika und Wachstumsförderern + + + +
Verbot von Fischmehl zur Fütterung Bei Jungtieren von Geflügel/Schwein ist Fischmehl aus nachhaltigen Quellen erlaubt. + +
Erlaubte Hennenzahl/ha 230 140 140 140
Max. Zahl der Masthähnchen/ha 580 280 280 280
Max. Zahl der Mastschweine/ha 14 10 10 10
Legehennen pro Gebäude   bis zu vier getrennte Stalleinheiten à 3.000 bis zu zwei getrennte Stalleinheiten à 3.000 3.000
Tiertransporte innerdeutsch: 8 h, europäisch: 9 h in Intervallen (also nach einer Pause wieder 9 h) (TierSchTrV) max. 4 h / 200 km max. 4 h / ca. 200 km Leitlinien werden derzeit erarbeitet (Stand Mai 2020)
Besonderheiten zum Tierwohl jährliche Tierwohlkontrolle, ausführliche Richtlinien für Transport & Schlachtung jährliche Tierwohlkontrolle Kühe behalten ihre Hörner

Darüber hinaus gibt es noch Siegel weiterer Verbände wie Biopark, Biokreis, Gäa usw., auf die wir hier nicht näher eingehen wollen. Sie haben in der Regel in manchen Punkten höhere Anforderungen als das EU-Bio-Siegel, bleiben mit ihren Forderungen aber insgesamt unter den Ansprüchen von Naturland, Bioland und Demeter.

Unser Fazit

Mit dem Kauf von Bio-Lebensmitteln schonen Sie Umwelt und Gesundheit. Aber Bio ist nicht gleich Bio. Wer Wert auf hohe Qualität legt und seinem Körper unnötige Belastungen ersparen möchte, sollte beim Einkauf auf die deutlich anspruchsvolleren Bio-Siegel von Demeter, Bioland und Naturland achten.