Säure-Basen-Haushalt – Was tun gegen Übersäuerung?

Säure-Basen-Haushalt – Was tun gegen Übersäuerung?

Wenn immer wieder Schmerzen auftreten, der Körper an Elastizität verliert und wir uns zunehmend müde und erschöpft fühlen, kann das aus ganzheitlicher Sicht Ausdruck einer latenten Übersäuerung des Körpers sein. Wir erklären, was sich hinter einer solchen Störung der Säure-Basen-Balance verbirgt, wie es dazu kommt und was Sie dagegen tun können.

Ein ausgeglichener Säure-Basen-Haushalt als Basis von Gesundheit und Wohlbefinden

Alle im Körper ablaufenden Stoffwechselschritte sind an bestimmte Säure-Basen-Verhältnisse angepasst. Während einige Enzyme im basischen Speichel und Dünndarm optimale Arbeitsbedingungen vorfinden, kommen andere nur im sauren Magen mit seinem pH-Wert bis 2,0 wirklich in Schwung.

Für das richtige Gleichgewicht an jedem Ort sorgen ausgeklügelte Regulations- und Puffersysteme unseres Körpers. Die Ausscheidung saurer Stoffwechselschlacken erfolgt vor allem über die Nieren und Lungen (CO2), aber auch über Darm und Haut (Schweiß). Darüber hinaus verfügt unser Körper über Puffermechanismen wie das Kohlensäure-Bicarbonat-System, mit dem Säuren abgefangen werden und der pH-Wert des Blutes konstant gehalten wird.

Wird die Säurelast jedoch zu hoch oder stehen zu wenige für die Pufferung benötigte Valenzen zur Verfügung, erschöpfen die Puffersysteme mit der Zeit und überschüssige Stoffwechselprodukte werden in den Zellzwischenräumen des Bindegewebes deponiert. Dieser Zustand wird als latente Azidose bezeichnet.
 

Akute Azidose oder chronisch latente Übersäuerung?

Von einer akuten Azidose im schulmedizinischen Sinne sprechen Mediziner, wenn der pH-Wert im Blut unter 7,35 sinkt. Solch ein lebensbedrohlicher Zustand, wie er z.B. im Rahmen schwerer Erkrankungen wie Nierenversagen, Lungenkrankheiten oder einem Diabetes mellitus vorkommen kann, ist ein Notfall, der sich grundsätzlich von der chronischen latenten Übersäuerung im ganzheitlichen Sinne unterscheidet. Diese verläuft eher schleichend und unauffällig, kann aber langfristig ebenfalls krank machen.

Unser Lebenstil macht uns sauer

Hauptverantwortlich für die hohe Säurelast in unserem Körper ist unser Lebensstil:

  • Allem voran Fehlernährung mit Fastfood, Fertigprodukten, Süßigkeiten und Softdrinks sowie zu viel tierisches Eiweiß (Fleisch, Wurst, Eier)
  • Bewegungsmangel, aber auch Leistungssport
  • Umweltgifte wie Formaldehyd, das bei der Entgiftung im Körper zu Essigsäure verstoffwechselt wird
  • Stress und Anspannung.

Weitere Faktoren sind

  • Mineralstoffmangel: Stehen nicht ausreichend basische Mineralstoffe und Zink zur Verfügung, kann unser Organismus anfallende Säuren nicht mehr richtig abpuffern.
  • Chronische Entzündungen laufen stets in einer sauren Umgebung ab und fördern ihrerseits ein saures Milieu, indem sie saure Abfallstoffe (sog. „Stoffwechselschlacken“) produzieren.
  • Während radikalen Abnehm-Diäten werden vor allem Eiweiß und Körperfett „verbrannt“, die die Säurelast spürbar ansteigen lassen. Daher sollten Sie bei einer Diät, aber auch beim Fasten auf den nötigen Mineralstoff- und Basenausgleich achten.

 

Wenn Übersäuerung langfristig krank macht

Wie eingangs erwähnt, benötigt jeder Stoffwechselschritt einen bestimmten pH-Wert, um optimal ablaufen zu können. Ist der pH-Wert am Ort einer chemischen Reaktion suboptimal, kann das den Stoffwechsel empfindlich stören und uns auf Dauer krank machen.

Hinzu kommen Probleme, die aus dem Versuch unseres Körpers resultieren, der überschüssigen Säuren Herr zu werden:

  • Im Bindegewebe abgelagerte Abfallstoffe behindern Transportvorgänge und damit die Versorgung, Funktion und Reinigung der Gewebe.
  • Im Rahmen der vermehrten Pufferung verbrauchte Mineralien stehen dem Körper an anderer Stelle nicht mehr zur Verfügung. Nachgewiesen ist z.B. ein erhöhter Calciumverlust bei einer proteinreichen Ernährung. (1)
  • Deutliche Hinweise gibt es auf einen Bezug von Übersäuerung und Knochengesundheit. Bei seinem Versuch, überschüssige Säuren abzupuffern, greift unser Organismus gerne auch auf Mineralien aus dem Knochen zurück. Dadurch verringert sich die Knochendichte, was wiederum eine Osteoporose begünstigt.

Diskutiert wird zudem ein Zusammenhang zwischen einer latenten Übersäuerung und

  • Abgeschlagenheit, chronischer Müdigkeit, Leitungsknick
  • Muskel- und Gelenkbeschwerden wie z.B. Krämpfe und Arthrose
  • Rheuma, Gicht
  • Rückenschmerzen, Bandscheibenvorfall
  • Bluthochdruck, Durchblutungsstörungen, Arteriosklerose
  • chronischen Entzündungen
  • Insulinresistenz
  • Bindegewebsschwäche, Cellulite

 

Säure-Basen-Haushalt selber testen

Eine einfache Möglichkeit, Hinweise auf unser Säure-Basen-Gleichgewicht zu bekommen, bieten pH-Teststreifen, mit denen mehrmals täglich der pH-Wert des Urins gemessen wird. Entsprechende Teststreifen erhalten Sie in jeder Apotheke.

Bei einer biologisch ausgeglichenen pH-Wert-Kurve schwanken die Werte im Laufe des Tages zwischen dem sauren pH 6,0 und basischen 8,0. Typischerweise ist der Urin am Morgen sauer, wird circa zwei Stunden nach dem Frühstück basisch bis pH 8,0, um gegen Mittag wieder sauer zu werden.

Rund zwei Stunden nach dem Mittagessen kommt es abermals mit dem so genannten Basenfluten zu alkalischen pH-Werten über 7,0 bis 8,5. Am Abend und über Nacht kann der Urin je nach Stress und Nahrung wieder sauer werden und Werte unter pH 7,0 erreichen.

Eine solche ausgeglichene pH-Wert-Kurve ist in der Regel Ausdruck eines ausgeglichenen Säure-Basen-Haushaltes, der eine gute Funktion von Enzym- und Hormonsystemen im Körper ermöglicht.

Gut zu wissen – Basenfluten

Bei der Produktion von Salzsäure durch die Belegzellen im Magen entsteht durch enzymatische Umwandelung aus Kochsalz (NaCl) durch Reaktion mit Wasser (H2O) und Kohlendioxid (CO2) Natriumbicarbonat (NaHCO3) und Salzsäure (HCl).

NaCl + CO2 + 2 H2O ⇌ NaHCO3 + HCl

Im Rahmen der Verdauung wird der Speisebrei im Magen mit Magensäure versetzt. Im Gegenzug entstehen Basen, die überwiegend zur Niere transportiert und mit dem Urin ausgeschieden werden. Den daraus resultierenden pH-Wert-Anstieg des Urins auf Werte um pH 8 nach einer Hauptmahlzeit nennt man Basenfluten.

Was tun? – Tipps für einen ausgeglichenen Säure-Basen-Haushalt

 

Basische Ernährung – das A & O einer gelungenen Säure-Basen-Balance

Das beste Mittel gegen eine (latente) Übersäuerung ist eine basische Ernährung. Anders als man annehmen könnte, ist der Geschmack dabei keineswegs entscheidend. So zählt Zitronensaft mit ihren basenbildenden Bestandteilen trotz seines sauren Geschmacks zu den basischen Lebensmitteln. Vielmehr kommt es darauf an, wie die Lebensmittel in unserem Körper verarbeitet werden und ob dabei überwiegend basische oder saure Produkte entstehen.

  • Als besonders basenreich gelten mineralstoffreiche pflanzliche Lebensmittel mit mäßigem Eiweißgehalt wie frisches reifes Obst und Gemüse, Kartoffeln und Kräuter.
  • Die meisten tierischen Produkte wie Fleisch, Wurst und Eier, aber auch Getreide, Zucker erhöhen die Säurelast. Die in Fertigprodukten enthaltenen säuernden Zusatzstoffe sollten gemieden oder nur in Maßen verzehrt werden.

Wer es genauer wissen möchte, kann sich an den so genannten PRAL-Werten (Potential Renal Acid Load) nach Renner und Manz orientieren (2). Je negativer der PRAL-Wert, umso basischer ist ein Nahrungsmittel.

  • Für eine gelungene Säure-Basen-Balance benötigt unser Körper nicht nur basenbildende Mineralstoffe, sondern auch Zink, das zu einem normalen Säure-Basen-Haushalt beiträgt. Bei Bedarf können nicht ausreichend vorhandene Mineralstoffe und Spurenelemente gezielt durch Nahrungsergänzungen zugeführt werden.
  • Wer seinen Säure-Basen-Haushalt verbessern möchte, sollte darüber hinaus ausreichend neutrale und basische Getränke wie Kräutertee und stilles Wasser trinken, um eine effektive Ausscheidung überschüssige Säuren über die Nieren zu ermöglichen.
Saure Nahrungsmittel Basische Nahrungsmittel
Alkohol Äpfel, vollreif
Backobst, geschwefelt Ananas
Blattkohlarten Auberginen und Avocados
Feinmehle aller Art Bananen
Fertiggerichte & Fertigbackwaren Beerenobst
Fleisch z.B. Schwein, Rind, Lamm Bohnen
Fisch Broccoli
Gerste Blumenkohl
Hafer Buchweizen
Hirse Frische Bio-Fruchtsäfte
Huhn Gurken
Kaffee Haselnüsse
Kuchen Reife Hülsenfrüchte z.B. Erbsen
Light-Produkte Karotten
Margarine Kartoffeln
Magerjoghurt Knoblauch
Magermilch (Wild-)Kräuter – frisch oder als Tee*
Meerrettich Kürbis
Nudeln Linsen
Pfeffer Mais
Reis Mandeln
Roggen Melonen
Schokolade, Schokocreme Reife Oliven
Sirup/Honig Öle, kaltgepresst
Tomaten Pistazien
Truthahnbrust Rote Beete
Thunfisch Salat
Vollkornflocken Sellerie
Vollkornbrot Spargel
Vollkornmehl Spinat
Weißbrot Zitrusfrüchte
Weizen Zucchini
Zucker Zwiebeln

*z.B. Basilikum, Brennnessel, Dill, Löwenzahn, Oregano, Petersilie, Kresse, Kurkuma, Liebstöckel, Rosmarin, Schnittlauch, Salbei, Schnittlauch, Spitzwegerich, Thymian
Basierend auf: Ökosystem Mensch

Basische Kartoffelsuppe

Lust auf basische Küche? Dann probieren Sie doch einmal die basische Kartoffelsuppe von unserer Firmenmitgründerin Irmtraut Volkmann. Sie ist seit Jahren das „Geheimrezept“ der Familie Volkmann, wenn es darum geht, in stressigen Zeiten schnell und ohne großen Aufwand für den gewünschten Basenausgleich zu sorgen. (3)

 

Wildblumen-Salat aus dem hypo-A-Garten

Unsere Ernährungswissenschaftlerin Canan Dogan experimentiert in der Küche gern mit Wildkräutern aus dem Garten von hypo-A. Eine nährstoffreiche Augenweide ist ihr basischer Wildblumen-Salat mit Feldsalat, geraspelten Karotten, Zucchini-Scheiben, klein geschnittener Petersilie und Löwenzahn, deren Mengen Sie ganz nach Geschmack und Verfügbarkeit variieren können. Verfeinert mit Sonnenblumenkernen, Kürbiskernen und Sesamsamen. Angemacht mit einem Dressing aus Bio-Olivenöl, frischem Zitronensaft und etwas Salz und hübsch dekoriert mit essbaren Gänseblümchen- und Löwenzahnblüten.

 

Basenfreundlicher Lebenstil

Schon mit wenigen einfachen Maßnahmen können Sie Ihren Säure-Basen-Haushalt entlasten und zu mehr Wohlbefinden beitragen:

  • Bewusst atmen
    Unterstützen Sie Ihre Säure-Basen-Balance, indem Sie bewusst tief in den Bauch ein- und ausatmen. Damit fördern Sie die Ausscheidung von Kohlendioxid (CO2), verringern die Kohlensäure in Ihrem Blut und unterstützen dadurch die Entsäuerung Ihres Körpers.
  • Regelmäßig bewegen
    Sport intensiviert unsere Atmung und Durchblutung. Zugleich kurbelt er den Stoffwechsel an – und damit den Abtransport und die Ausscheidung von Säuren. Ideal ist maßvoller Ausdauersport im Freien, während Leistungssport, bei dem sich jede Menge Milchsäure in der Muskulatur ansammelt, sogar gegenteilige Effekte haben kann. Gegensteuern lässt sich mit einem maßvollen Trainingsprogramm, ausreichend Erholungsphasen und basenbildenden Nahrungsmitteln sowie eine breite orthomolekulare Versorgung, unter der es erfahrungsgemäß kaum Laktatstau im Gewebe oder Muskelkater gibt. (4)
  • Stress reduzieren
    Sorgen Sie für regelmäßige Entspannung: Mit moderatem Sport, kreativen Auszeiten, Entspannungsverfahren usw. können Sie Ihr Stresslevel spürbar senken.
  • In die Sauna gehen
    Ein Saunabesuch entspannt und regt die Durchblutung und die Ausscheidung von Säuren über den Schweiß an.
  • Darm entlasten
    Bei chronisch Kranken kann eine unter therapeutischer Begleitung durchgeführte Darmentlastung mit entsprechender Symbioselenkung wertvolle Dienste leisten.

 

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen einen ausgeglichenen Säure-Basen-Haushalt, jede Menge Energie und beste Gesundheit.
Ihr hypo-A-Team